HEMI Tick – das bekannteste Geräusch beim 5.7 HEMI
Wer einen Dodge RAM, Chrysler 300C oder Jeep Grand Cherokee mit 5.7 HEMI fährt, hat den Begriff vermutlich schon gehört: „HEMI Tick“.
Ein metallisches Tickern oder Klackern aus dem Motorraum sorgt bei vielen Besitzern sofort für Unsicherheit:
Ist das normal? Sind die Hydrostößel defekt? Oder kündigt sich bereits ein teurer Motorschaden an?
Die Wahrheit:
Nicht jedes Tickern ist gefährlich – aber manche Geräusche sollte man definitiv ernst nehmen.
In diesem Artikel erklären wir:
- welche Ursachen hinter dem berühmten HEMI Tick stecken
- wie man harmlose von kritischen Geräuschen unterscheidet
- welche HEMI-Modelle besonders betroffen sind
- welche Schäden entstehen können
- und welche Ersatzteile häufig benötigt werden
Was genau ist der „HEMI Tick“?
Der Begriff beschreibt ein tickendes oder klopfendes Geräusch beim 5.7 HEMI V8 von Chrysler/Mopar.
Typische Beschreibung:
- metallisches Ticken im Leerlauf
- stärker hörbar beim Kaltstart
- oft auf der Fahrerseite wahrnehmbar
- Geräusch verändert sich mit Motordrehzahl
Viele Fahrer hören es erstmals nach etwa 80.000–150.000 km.
Besonders häufig betroffen:
- Dodge RAM 1500
- Jeep Grand Cherokee
- Chrysler 300C
- Dodge Charger
Die 4 häufigsten Ursachen für den HEMI Tick
1. Krümmerbolzen abgerissen (sehr häufig)
Das ist die häufigste und gleichzeitig harmloseste Ursache.
Beim HEMI reißen häufig die Krümmerbolzen ab – besonders auf der Fahrerseite.
Dadurch entsteht ein kleines Abgasleck, das wie ein metallisches Tickern klingt.
Typische Symptome
- Tickern nur im kalten Zustand
- Geräusch wird warm deutlich leiser
- kein Leistungsverlust
- kein Motorschaden
- oft leichter Abgasgeruch
Warum passiert das?
Der Gusskrümmer dehnt sich bei Hitze stark aus.
Die originalen Schrauben werden über Jahre thermisch belastet und brechen irgendwann ab.
Gute Nachricht
Wird das Problem früh erkannt, ist die Reparatur meist relativ überschaubar.
Benötigt werden häufig:
- neue Krümmerdichtungen
- verstärkte Bolzen
- neue Krümmer oder Upgrade-Versionen
2. Defekte Hydrostößel / Roller Lifters
Das ist die Ursache, vor der viele HEMI-Besitzer Angst haben.
Beim 5.7 HEMI können die sogenannten Roller Lifters verschleißen oder festgehen.
Dadurch wird die Nockenwelle beschädigt.
Symptome
- dauerhaftes metallisches Tickern
- Geräusch bleibt auch warm bestehen
- zunehmend lauter
- manchmal Fehlzündungen
- Leistungsverlust
- Metallspäne im Öl möglich
Warum kritisch?
Wenn ein Lifter blockiert, frisst er sich in die Nockenwelle ein.
Dann reicht oft kein kleiner Reparatursatz mehr.
Im schlimmsten Fall benötigt man:
- neue Nockenwelle
- komplette Liftersätze
- Dichtungen
- Ölpumpe
- Steuerkettenkomponenten
Die Reparatur kann schnell teuer werden.
3. MDS-System (Zylinderabschaltung)
Viele 5.7 HEMI-Motoren verfügen über das sogenannte MDS-System (Multi Displacement System).
Dabei werden im Teillastbereich einzelne Zylinder deaktiviert, um Kraftstoff zu sparen und den Verbrauch zu reduzieren.
Genau dieses System steht seit Jahren im Verdacht, den Verschleiß der sogenannten Lifters (Hydrostößel) zu begünstigen. Besonders in der US-Car-Community wird häufig über einen möglichen Zusammenhang zwischen MDS und typischen HEMI-Lifter-Schäden diskutiert.
Hinweise auf mögliche MDS-Probleme
- Tickern bei niedriger Drehzahl
- unruhiger Motorlauf
- Geräusch verändert sich beim Umschalten des MDS
- mögliche Fehlercodes
- leicht verzögerte Gasannahme in bestimmten Lastbereichen
Wichtig:
Ein direkter technischer Nachweis, dass ausschließlich das MDS-System für alle HEMI-Lifter-Schäden verantwortlich ist, existiert nicht. Oft spielen zusätzlich Ölversorgung, Wartung und Fahrprofil eine wichtige Rolle.
Manche Fahrzeughalter beschäftigen sich mit Softwarelösungen oder Tuningmaßnahmen zur Veränderung des MDS-Verhaltens. Dabei sollte jedoch unbedingt beachtet werden:
Das Deaktivieren oder Verändern emissionsrelevanter Systeme kann je nach Land gesetzlich unzulässig sein und zum Erlöschen der Zulassung führen. Änderungen sollten daher ausschließlich im Rahmen der geltenden gesetzlichen Vorschriften erfolgen.
4. Zu niedriger Öldruck oder falsches Öl
Der HEMI reagiert empfindlich auf schlechte Ölversorgung.
Probleme entstehen oft durch:
- zu lange Ölwechselintervalle
- falsche Ölviskosität
- minderwertige Ölfilter
- verschlammte Ölkanäle
Gerade Hydrostößel reagieren sehr empfindlich auf mangelhafte Schmierung.
Unsere Empfehlung
Beim HEMI sollte man:
- Ölwechsel eher früher als später machen
- hochwertige Filter verwenden
- originales Moparöl verwenden oder zumindest auf korrekte Freigaben achten
- Ölstand regelmäßig kontrollieren
Welche HEMI-Baujahre sind besonders betroffen?
Besonders häufig diskutiert werden:
Modell | Baujahre | |
RAM 1500 5.7 HEMI | ca. 2009–2021 | |
Charger / Challenger | ca. 2011–2021 | |
Chrysler 300C | ca. 2005–2020 | |
Jeep Grand Cherokee | ca. 2011–2021 |
Das bedeutet aber nicht, dass jeder Motor betroffen ist.
Viele HEMIs laufen problemlos mehrere hunderttausend Kilometer.
So unterscheidet man gefährlichen und harmlosen HEMI Tick
Eher harmlos
- nur beim Kaltstart
- wird warm leiser
- keine Leistungseinbußen
- kein Fehlercode
- kein Metall im Öl
→ häufig Krümmerproblem
Kritisch
- dauerhaftes Tickern
- wird lauter
- Leistungsverlust
- Motoraussetzer
- Metallspäne im Öl
- Check-Engine aktiv
→ mögliche Lifter/Nockenwellen-Schäden
Kann man weiterfahren?
Das hängt stark von der Ursache ab.
Bei Krümmerproblemen:
Oft ja – kurzfristig meist kein großes Risiko.
Bei Lifter-Geräuschen:
Vorsicht.
Je länger man wartet, desto größer kann der Schaden werden.
Eine frühzeitige Diagnose spart oft mehrere tausend Euro.
Welche Ersatzteile werden häufig benötigt?
Je nach Ursache sind oft gefragt:
- Krümmerdichtungen
- verstärkte Krümmerbolzen
- Hydrostößel / Lifters
- Nockenwellen
- MDS-Komponenten
- Steuerkettensätze
- Ölpumpen
- originale Mopar-Dichtungen
Gerade beim HEMI lohnt sich qualitativ gutes Material – Billigteile verursachen oft Folgeprobleme.
Unser Tipp für HEMI-Fahrer
Viele Geräusche werden im Internet sofort als „Motorschaden“ bezeichnet.
In der Praxis steckt aber oft „nur“ ein Krümmerproblem dahinter.
Trotzdem gilt:
Ein dauerhaftes metallisches Tickern sollte man niemals ignorieren.
Je früher die Ursache erkannt wird, desto günstiger bleibt die Reparatur.
FAQ – Häufige Fragen zum HEMI Tick
Ist der HEMI Tick normal?
Ein leichtes Tickern beim Kaltstart kommt bei vielen HEMIs vor.
Dauerhafte metallische Geräusche sollten aber überprüft werden.
Was kostet eine Reparatur?
Das hängt stark von der Ursache ab:
- Krümmerreparatur: oft deutlich günstiger
- Lifter/Nockenwelle: kann mehrere tausend Euro kosten
Kann falsches Öl den HEMI Tick verursachen?
Ja. Schlechte Schmierung kann Hydrostößel und Nockenwelle schädigen.
Sind alle 5.7 HEMI betroffen?
Nein. Viele Motoren laufen problemlos sehr lange.
Regelmäßige Wartung reduziert das Risiko deutlich.
Sollte man das MDS deaktivieren?
In Foren wird dieses Thema häufig diskutiert. Von einer Deaktivierung im Straßenverkehr ist jedoch klar abzuraten, da dies rechtlich problematisch sein kann.
Wichtig:
Das Verändern oder Deaktivieren emissions- oder zulassungsrelevanter Systeme kann gesetzlich unzulässig sein und zum Erlöschen der Straßenzulassung führen.
Änderungen am Fahrzeug sollten daher ausschließlich im Rahmen der geltenden gesetzlichen Vorschriften erfolgen.
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